Über 50? Sechs Wege, um deine Durchblutung natürlich zu unterstützen

Bei Gas im Körper denkst du vermutlich zuerst an Bohnen und die Frage, ob du unauffällig dem Hund die Schuld geben kannst. Dein Körper produziert aber auch ein Gas, über das sich deine Blutgefäße freuen: Stickstoffmonoxid, kurz NO.

Dieser Botenstoff hilft den Gefäßen, sich zu entspannen. Dadurch kann das Blut leichter fließen. Du kannst im Alltag einiges dafür tun, dass dein Körper Stickstoffmonoxid bildet und es seine Aufgabe erfüllen kann. Dafür brauchst du weder ein Chemielabor noch ein Pulver mit unaussprechlichem Namen.

Wie Stickstoffmonoxid deine Blutgefäße unterstützt

Deine Blutgefäße sind keine starren Rohre. In ihren Wänden sitzen Muskelzellen, die sich anspannen oder entspannen können. Ganz innen liegt eine dünne Zellschicht, das sogenannte Endothel. Stell es dir als kleine Schaltzentrale vor.

Diese Zellen können Stickstoffmonoxid herstellen. Es signalisiert den Muskelzellen: Bitte lockerlassen. Das Gefäß wird weiter, der Widerstand für das Blut sinkt. Dadurch kann auch der Blutdruck abnehmen.

Weiter werden bedeutet allerdings nicht, dass Ablagerungen verschwinden. Dein Salat ist schließlich kein Rohrreiniger. Stickstoffmonoxid unterstützt außerdem die normale Funktion der Gefäßwand und hemmt unter anderem das Anhaften bestimmter Entzündungszellen sowie das Zusammenklumpen von Blutplättchen.

Das ist wichtig, weil Arteriosklerose mehr ist als etwas herumliegendes Fett: Bleiben LDL-Partikel in der Gefäßwand hängen, können Entzündungsreaktionen entstehen und sich über Jahre Ablagerungen entwickeln.

1. Regelmäßig nitratreiches Gemüse essen

Rucola, Spinat, Mangold, Sellerie und Rote Bete liefern Nitrat. Daraus kann dein Körper über mehrere Schritte Stickstoffmonoxid bilden. Überraschenderweise arbeitet dabei deine Zunge mit.

Nach der Aufnahme gelangt Nitrat ins Blut. Einen Teil geben die Speicheldrüsen wieder in den Speichel ab. Bakterien auf der Zunge wandeln es in Nitrit um. Beim Schlucken kann daraus im sauren Magen Stickstoffmonoxid entstehen. Auch im Körper kann Nitrit weiter zu NO umgewandelt werden.

Dein Mund ist also nicht bloß die Eingangstür fürs Abendessen, sondern eine kleine Werkstatt.

In einer kleinen kontrollierten Studie mit Menschen mit Bluthochdruck senkte täglicher nitratreicher Rote-Bete-Saft über vier Wochen den Blutdruck gegenüber einem nitratarmen Kontrollgetränk. Das kurze Studienergebnis ist keine Garantie für einzelne Personen und kein Nachweis, dass jede Portion Gemüse denselben Effekt erzielt. Rote Bete ersetzt keine verordneten Medikamente. Quelle: Vierwöchige Rote-Bete-Studie

Beginne lieber mit einer Portion passendem Gemüse:

  • Eine Handvoll Rucola zum Rührei.
  • Spinat als Beilage zu Fisch oder Eiern.
  • Rote Bete mit Feta und einigen Walnüssen.

Tiefkühlspinat und vorgekochte Rote Bete sind praktisch. Bei eingelegten Varianten lohnt sich ein Blick auf zugesetzten Zucker. Entscheidend ist die Gewohnheit, nicht der einzelne Mustersalat alle vier Wochen.

Wenn dir dafür die Ideen fehlen, hilft dir unser ByeBye Bauch Rezeptbuch, aus guten Vorsätzen richtige Mahlzeiten zu machen. Du musst nicht täglich Salatblätter zählen, bis die Laune verschwindet.

2. Antibakterielle Mundspülungen gezielt einsetzen

Wenn bestimmte Mundbakterien bei der Nitritbildung helfen, kann ihre dauerhafte Unterdrückung diesen Weg beeinträchtigen. Du lieferst vorne Material an und schickst gleichzeitig die Belegschaft nach Hause.

In kleinen Studien mit stark antibakteriellen Mundspülungen nahm die Nitritbildung im Mund ab. Gleichzeitig stieg der Blutdruck leicht.

Die Ergebnisse rechtfertigen kein pauschales Urteil gegen Mundspülungen. Wirkstoff, Anlass und Anwendungsdauer sind entscheidend. Verordnete antiseptische Mundspülungen verwendest du wie mit deiner Zahnärztin oder deinem Zahnarzt besprochen; setze eine notwendige Behandlung nicht wegen dieser kleinen Studien eigenständig ab.

Zähneputzen und Zahnzwischenräume reinigen bleiben wichtig. Es geht um unnötige Desinfektion, nicht darum, Zahnbelag ein Gästezimmer anzubieten. Achte auf Wirkstoffe und Anwendungszweck statt nur auf den Markennamen.

3. Bewegung als Signal für die Gefäßwand nutzen

Beim zügigen Gehen oder Radfahren brauchen deine Muskeln mehr Sauerstoff. Mehr Blut strömt durch die beanspruchten Bereiche und übt dabei eine Kraft auf die Gefäßinnenwand aus.

Die Zellen registrieren das und aktivieren unter anderem das Enzym, das Stickstoffmonoxid herstellt. Regelmäßiges Training kann diese Reaktionsfähigkeit verbessern. Bewegung trainiert also nicht nur die Muskeln, die du im Spiegel siehst.

Starte beispielsweise mit zehn Minuten Spazierengehen nach dem Mittagessen. Gehe so zügig, dass dir wärmer wird und du schneller atmest, aber noch sprechen kannst. Steigere dich schrittweise.

Unterbrich außerdem langes Sitzen. Eine Erinnerung alle 30 bis 60 Minuten kann helfen: Wasser holen, beim Telefonieren gehen oder eine kleine Haushaltsaufgabe erledigen. Ein Stehschreibtisch allein ersetzt das nicht. Acht Stunden regungslos stehen sind auch kein besonders aufregendes Trainingsprogramm.

4. Durch die Nase atmen und locker summen

Deine Nasennebenhöhlen produzieren ebenfalls Stickstoffmonoxid. Beim Einatmen durch die Nase gelangt ein Teil davon mit der Luft in die Atemwege.

In einer kleinen Untersuchung mit zehn gesunden Menschen stieg beim Summen die lokal gemessene Stickstoffmonoxid-Menge in der Nasenluft ungefähr auf das 15-Fache. Gemessen wurde ein lokaler Effekt des Luftaustauschs in den Nebenhöhlen. Daraus ist kein systemischer Nutzen für Herzgesundheit oder Blutdruck belegt. Quelle: Studie zu Summen und nasalem NO

Das bedeutet nicht, dass dein ganzer Körper plötzlich 15-mal mehr Stickstoffmonoxid hat. Deine Arterien lassen sich damit auch nicht freisingen.

Atme entspannt durch die Nase, sofern sie frei ist. Wenn du magst, summe beim Ausatmen einige lockere Töne, ohne Luftanhalten oder Pressen. Bei anstrengendem Sport darf der Mund natürlich mithelfen. Summen ist eine kleine Ergänzung, kein Ersatz für Gemüse und Bewegung.

5. Regelmäßig nach draußen gehen

Sonnenlicht kann mehr als die Vitamin-D-Bildung anregen. Die Haut enthält stickstoffhaltige Verbindungen, aus denen unter UVA-Licht Stickstoffmonoxid freigesetzt werden kann.

Eine kleine kontrollierte Laboruntersuchung zeigte nach UVA-Bestrahlung eine vorübergehende Gefäßerweiterung und Blutdrucksenkung. Daraus folgt keine Empfehlung für eine UV-Behandlung oder weniger Sonnenschutz. UV-Strahlung kann die Haut schädigen; der Befund belegt keine sichere Alltagsbehandlung von Bluthochdruck. Quelle: UVA-Laborstudie

Das ist interessant, aber keine Einladung zum ungeschützten Sonnenbaden oder ins Solarium. UV-Strahlung schädigt die Haut. Aus diesem Laborbefund lässt sich keine sichere Sonnendosis zur Blutdruckbehandlung ableiten.

Die vernünftige Alltagsversion: regelmäßig spazieren gehen, im Garten arbeiten oder kurze Wege zu Fuß erledigen. Denke je nach UV-Index an Schatten, Kleidung und Sonnenschutz. So verbindest du Draußenzeit mit Bewegung. Tageslicht hilft außerdem deiner inneren Uhr, Tag und Nacht zu unterscheiden.

6. Stickstoffmonoxid vor vorzeitigem Abbau schützen

Mehr produzieren reicht nicht, wenn der Botenstoff sofort wieder verloren geht. Das wäre wie eine Badewanne zu füllen, während der Stöpsel fehlt.

Bei oxidativem Stress entstehen mehr reaktive Stoffe, als die körpereigenen Schutzsysteme ausreichend abfangen können. Manche reagieren mit Stickstoffmonoxid. Dann steht weniger für die Gefäßentspannung zur Verfügung, und es können zellschädigende Verbindungen entstehen.

Hier liegen wichtige Ansatzpunkte:

  • Rauchen beenden: Tabakrauch belastet Gefäßwände und fördert oxidativen Stress. Unterstützung beim Rauchstopp ist wichtiger als die Suche nach dem perfekten Superfood.
  • Blutzucker beachten: Besonders schlecht eingestellter Diabetes belastet Gefäße. Ersetze tägliche Limonaden, gesüßten Eistee oder süße Kaffeegetränke durch Wasser oder ungesüßten Tee.
  • Übermäßiges Bauchfett reduzieren: Fett um die inneren Organe kann Entzündungen fördern. Sättigende Mahlzeiten mit Gemüse und ausreichend Eiweiß, Bewegung und langfristige Gewichtsabnahme bei Übergewicht setzen an mehreren Stellen an.
  • Schlaf ernst nehmen: Regelmäßige Schlafzeiten und ausreichend Bettzeit unterstützen Erholung. Lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen oder starke Erschöpfung trotz langer Nächte gehören ärztlich abgeklärt. Schlafapnoe kann den Blutdruck belasten.

Auch natives Olivenöl extra, ungesüßter grüner Tee und Kakao können deine Ernährung ergänzen. In Studien verbesserten flavanolreiche Kakaoprodukte die Gefäßerweiterung. Gemeint sind die Pflanzenstoffe, nicht die Familienpackung Schokoriegel. Der Kakaoanteil allein verrät den Flavanolgehalt nicht zuverlässig.

Kleine Schritte statt großer Wunder

Mach die nächste Mahlzeit etwas besser, gehe anschließend eine Runde und reduziere Belastungen, die täglich wiederkommen. Regelmäßigkeit bringt dich weiter als ein perfekter Plan, der auf dem Küchentisch liegen bleibt.

Blutdruckmedikamente nimmst du weiterhin wie verordnet. Gute Gewohnheiten unterstützen die Behandlung. Änderungen an Medikamenten besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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